Kulturkampf 2019

Linolschnitt 200 cm x 1000 cm

Monopoly Mann

Monopoly Mann

Ausgelöst durch die Umwälzungen in Putins Geheimdienst-Kapitalismus verbunden mit dem Untergang des sozialistischen Realismus, sowie neueren Veröffentlichungen, die das Engagement des CIA in Sachen abstrakten Expressionismus beleuchten (Pollock), ist eine sehr persönliche, autobiographisch geprägte Kunstgeschichte entstanden.

Kulturkampf im Detail

Im März 2019 flog Florian Haas zu der Vorbereitung der Ausstellung „The Coming World: Ecology as the New Politics im Garage Museum“ nach Moskau. Auf die Frage der Kuratorinnen was er denn gerne sehen würde: Den Roten Platz, den Kreml oder die Basilius Kathedrale war seine Antwort er wolle einzig das Surikov Institut besuchen, wo er sich vor 30 Jahren einen verregneten Sommer lang als Austauschstudent aufhielt.

Surikov Institut

Surikov Institut

Das düstere Foyer, das schäbige Büro wo die Delegation vom Direktor empfangen wurde, die Führung durch die Ateliers wo die Aktmodelle sich verschämt mit Deckeln verhüllten, die staubigen mit Historienschinken vollgestellten Gänge - nichts hatte sich verändert. Die Zeit in der führenden Kunstakademie der Sowjetunion war stehengeblieben. Eingefroren in einem Schneewittchensarg wurde hier fleißig in der Tradition des sozialistischen Realismus weiter gemalt. Nur Lenin und Marx waren verschwunden, dafür standen jetzt inflationär gemalte russische Landschaften mit goldenen Kirchenkuppeln neben blutleeren Aktmodellen auf den Staffeleien. Auf dem Schrottplatz des sozialistischen Realismus türmen sich über die Relikte der untergegangenen Pracht und Größe der UdSSR die Neuinterpretationen eines neu erwachten nationalorthodoxen Russlands.

sozialistischer Realismus

Sozialistischer Realismus

Ein marodes Museum dessen Wurzeln tief in die Zeit des Kalten Kriegs reichen, in denen sich die zwei Supermächte bis auf die Zähne bewaffnet gegenüberstanden. Die politische Auseinandersetzung der zwei Machtblöcke wurde auch kulturell geführt. In der freien Welt spritzt Jackson Pollock seine Drippings über die Leinwände. Wie viele seiner avantgardistischen Künstlerkollegen wurde er in seinem Tun diskret von der Kulturkampagne des CIA unterstützt. Jenseits des Eiseren Vorhangs möblierte der Monumentalbildhauer Lew Kerbel mit seinen Marx und Lenin Skulpturendie Hauptstädte des Ostblocks.

Ad Reinhard

Ad Reinhard

Auf dem Linolschnitt Kulturkampf stehen sich die zwei Kunstideologien abstrakter Expressionismus und sozialistische Realismus unversöhnlich gegenüber. Ein Austausch findet nicht statt. Während die Werke der Künstler der open air „Bulldozer Ausstellung“ an der Metrostation Beljajewo (1974) vom KGB niedergewalzt werden zirkuliert davon unberührt wenige Jahre später auf der Dokumenta 6 der Honig durch die Schläuche der Honigpumpe von Beuys (1977). Die westlichen Minimalisten, Konzeptionalisten und Popartisten haben sich auf dem Linolschnitt im Netzwerk von Pollocks der Drippings verfangen.

Bild Pollok

Jackson Pollok

Während auf der kapitalistischen Seite der Monopoly-Mann (ohne Monokel) ins Bild geprescht kommt zeigt Lenin im kommunistischen Lager auf einen Fliegenpilz, der auf die Künstlergruppe Muchomory (Fliegenpilze) verweist und dessen Pilzhut von der einsamen Figur aus Ilya Kabakovs Installation: He Lost His Mind, Undressed, and Ran Away Naked (1990) durchschlagen wird. Auf einem märchenhaft anmutenden Nachtbild geben sich die russischen Nonkonformisten und Moskauer Konzeptualisten ein Stelldichein.

Bild Brillo

Brillo