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Oberlin

Im Zentrum des unter der Tanne hängenden Medaillons ist der Pastor Johann Friedrich Oberlin abgebildet. (geb. 31. August 1740 in Straßburg; gest. 1. Juni 1826 in Waldersbach)

Oberlin wirkte unter anderem als Reformer, Humanist, Theologe, Schullehrer, Botaniker und Familienforscher. Seine herausragende Leistung bestand in der Reformierung der Lebensbedingungen im bettelarmen Steintal, wo Pfarrer Oberlin den Bauern den Weg in die Zivilisation aufzeigte. Dazu gründete er Schulen, legte Brücken und Straßen an, rief eine Sparkasse ins Leben und förderte die Entwicklung der modernen Landwirtschaft. Sein Erziehungsgrundsatz war: "Erzieht eure Kinder ohne zu viel Strenge ... mit andauernder zarter Güte, jedoch ohne Spott."

Das Porträt Oberlins auf der Tapete geht auf einen Scherenschnitt zurück, den er selbst mit den Worten: Moi? Qui?, signiert hatte. Wie viele seiner Zeitgenossen war Oberlin ein Anhänger der Ideen Johann Friedrich Lavaters, der von den individuellen Gesichtszügen einer Person auf deren Charakter schloss. Oberlin war von Lavaters Theorien so fasziniert, dass er Scherenschnitte von all seinen Gemeindemitgliedern anfertigte. Das Porträt des Pastors umkränzt eine stilisierte "Drei Nägel Dornenkrone", das Wappen der J. F. Oberlin Universität in Tokio, die: "symbolizing the struggles of Christ and the glory and valor that derive from them". Wobei die aus der Krone wachsenden Blumen Bezug nehmen auf die von Oberlins Schülern angelegten Herbarien, durch die sie lernen sollten, welches Heil- und welches Giftpflanzen waren und durch welche Kräuter sich ihr ärmlicher Speiseplan erweitern ließ.

Vielleicht wird der Betrachter sich wundern, dass Oberlin auf der Darstellung weint. Seine Tränen tropfen zur Erde, wo sie als ein warmer Regen auf den Dächern der Straßburger Vorstädte niedergehen. Hier leben ghettoisiert und ohne Perspektiven die Auswanderer der ehemaligen Kolonien Frankreichs. Weit entfernt von dem pittoresken, mittelalterlichen Stadtzentrum Straßburgs kam es in den sogenannten "Banlieus" wiederholt zu Unruhen, die sich in brennenden Autos und Strassenbarrikaden Luft machten (zuletzt im Straßburger Vorort Neuhof im November 2005). Angesichts dieser, mehrheitlich von Jugendlichen begangenen Ausschreitungen befallen Oberlin Zweifel an seinen erzieherischen und reformatorischen Bemühungen - ihm ist einfach nur noch zum Weinen zumute.

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 Florian Haas / Grafik / Hansitapete / Neuhof